Was ist das gefährliche an einem Bären?

 
Vor einiger Zeit befand ich mich in netter Gesellschaft und man plauderte über die so allgemeinen Dinge über die man halt plaudert, wenn man einander mag und sich gegenseitig nicht weh tun will.
Wir hatten gerade gegessen und es war einer der Abende, wo sich meine Freundin schier selbst übertroffen hatte und uns allen lukullische Freuden himmlischen Ausmasses präsentierte. Unsere gemeinsame Hündin hingegen schob ob der so nah und doch so fern seienden Köstlichkeiten einen mächtigen Hals und hatte sich schon längst beleidigt in ihr Körbchen verzogen. 
Man saß also da, trank Wein, übte sich im Wettgrinsen und die Stimmung war ausgelassen und gut. Irgendwann kam man auf das Thema „Tauchen“ und das ist jetzt nicht mal so verwunderlich wenn man bedenkt, dass „Tauchen“ eben eines der grossen Hobbys meiner Freundin und mir ist. Nicht so beliebt bei unserer Hündin, die schon die Krise bekommt, wenn ein See tiefentechnisch über den Faktor „Pfote nass machen“ hinausgeht. 
 
Wenn man über das Tauchen redet, dann dauert es oftmals nicht lange und man redet über Fische. Wenn diese Hürde überwunden wurde, dann dauerte es nur noch wenige Augenblicke bis man sich dem Thema „Haie“ nähert und dann ist man nur noch einen Wimpernschlag von gefährlichen, respektive giftigen Meereslebewesen entfernt. Sobald ein Gespräch diese Grenze überwunden hat, neigt der gewöhnliche Taucher auf einen scheinbar genetisch bedingten Modus umzuschalten, den die Wissenschaft „Entmystifizierung“ nennt. Dazu ist zu sagen, dass dieser Modus vielleicht genetischer Veranlagung entspringt, aber scheinbar erst aktiviert wird, wenn der Mensch mindestens eine der vielen speziellen Plastikkarten erhalten hat, die allesamt den Überbegriff „Brevet“ gemein haben. Es dürfte sich also bei diesem Phänomen um ein „Begriffsstimulatives Reaktionsgen“ handeln, welches sich nicht mehr deaktivieren lässt.
Egal, man war mal wieder dabei über die vielen Monster zu reden, die unter Wasser nur darauf lauern, den Menschen bestenfalls auszusaugen und schlechtestenfalls zu versklaven, und so ein armer Taucher dann beispielsweise als Lustsklave einer Seegurke endet. 
Jedenfalls reagiert man auf Sager wie: „Na, einem Hai möchte ich aber niemals begegnen. Niiiiiieeeeemals, denn da würd´ ich ja die Panik kriegen, das glaubst aber! Prost!“, entspannt und gelassen mit: „Prost! Das Problem ist halt einfach das, dass ein Hai sowas von saumässig scheu ist, dass der schneller abhaut, als ein Taucher „Blubb“ sagen kann.“
Wie schon leicht angedeutet, der durchschnittliche Taucher hat solche Gespräche schon unzählige Male erlebt und reagiert mit der Gelassenheit eines Faultiers darauf. 
 
Unsere Hündin hatte sich zwischenzeitlich mit ihrem Schicksal abgefunden und die Hoffnung auf ein zusätzliches Leckerli in den Tiefen ihrer latenten Fresssucht verstossen und dort bis auf Weiteres verschlossen.
Nun, jedenfalls plätscherte es so dahin, man sammelte gemütlich ein paar „Ah“s und „Oh“s ein, wenn man von seinen Unterwasserabenteuern in Verbindung mit beinahe verhängnisvollen Kämpfen mit Clownfischen, Nacktschnecken und Fahnenbarschen erzählte und alles war in richtig guter Weinlaune.
Bis… tja, bis jemand urplötzlich und unerwartet jenen verhängnisvollen Satz sagte, der mich von diesem Moment an nicht mehr loslässt: „Mark, jetzt sag´ doch einmal, was ist das gefährliche an einem Bären?“
Da ich just zu diesem Moment einen recht gut Lauf – rhetorischer Art – hatte, konterte ich mit einem: „Alles, einfach alles! Ein Bär ist kräftiger als ein Mensch, viel kräftiger sogar. Er läuft schneller, er schwimmt besser und er klettert so gekonnt, dass Cheeta aus den ollen Tarzanfilmen vor Neid erblassen würde. An einem Bären ist schlicht einfach alles gefährlich: Seine Pranken, seine Zähne, das Stummelschwänzchen am Arsch und sogar seine buschigen Ohren. Ein Bär ist ein richtig scheissgefährliches Vieh!“
Für einen kurzen Moment der beinahe endlos schien, herrschte Schweigen am Tisch. Sogar der Hund hatte aufgehört zu schnarchen und das will was heißen. 
Gut, meine Antwort war ab der Stelle mit dem Stummelschwänzchen vielleicht etwas unsensibel gewesen, aber jetzt mal ganz ehrlich: Was soll diese selten dämliche Frage überhaupt? Na was soll an einem Bären gefährlich sein? Dieses Vieh ist eine wandelnde Killermaschine mit dem Hirn von der Größe einer Nuss und damit meine ich eine Walnuss und keine Kokosnuss. Der Bär ist also rein instinktgesteuert und wenn man jetzt kein Bild hat wie sich das ausdrücken könnte, dann braucht man dabei nur an Daniela Katzenberger zu denken. O.k., die ist jetzt keine wandelnde Killermaschine, aber zumindest hochgradig nervig.
Jeder, wirklich jeder auf diesem Planeten ist sich bewusst, dass so ein Bär nicht unbedingt ein Wesen ist, mit dem man lang um seine Position verhandeln sollte, wenn man diesem Vieh gegenübersteht und sich nicht in unmittelbarer Nähe eines Panzers befindet oder zumindest über eine Schusswaffe mit einem pangalaktischen Kaliber verfügt. 
Ich frage ja auch nicht, ob eine Python für eine Maus eine Bedrohung darstellen könnte, oder ob ein Rudel Wölfe einem Feldhasen eventuell etwas antun würde. Diese Fragen sind so unnötig wie die Antwort klar ist. Da könnte man gleich unseren Hund fragen, ob sie Vegetarierin ist und auf Feldsalat steht.
 
Jetzt überlegen wir uns aber einfach mal, WARUM so ein Bär so gefährlich ist. Abgesehen von der Sache mit dem Gehirn, klar.
Schnell mal den Klugscheissermodus aktiviert, sprudelt die Weisheit nur noch so heraus… noch mehr sprudelt es, wenn man einen Internetanschluß besitzt… so wie ich.
 
„Der Bär gehört zur Säugetierfamilie aus der Ordnung der Raubtiere“
„Aha“, sagt man da jetzt spontan, denn man hat einen ersten Hinweis auf die Ursache der Gefährlichkeit gefunden. Als ordnungsbedingtes Raubtier hat man schliesslich auch einen Ruf zu wahren. Also spielen da die Faktoren „Image“ und „Erwartungshaltung“ im Leben eines Bären eine große Rolle. Interessant. Jetzt weiss man auch andeutungsweise, warum Ordnungshüter sind, so wie sie sind. 
Gut, weiter im Text.
Die Bären gehören zur Überfamilie der Hundeartigen.
Hmm… ein kurzer Blick zu unserer Westhighland White Terrier-Hündin. Die liegt jetzt gerade auf unserer Couch, ausgestreckt auf einer Decke, die Wohlstandswampe gen Himmel gestreckt… Ich weiss nicht, wie ein Bär wirkt sie nicht gerade und schreiend davon laufen würde ich jetzt auch nicht vor ihr. 
Egal, was hat der Bär noch so zu bieten?
„Die Bären gleichen sich in ihrem Körperbau. Ihr Körper ist stämmig, der Kopf groß und die Gliedmaßen eher kurz und sehr kräftig. Die Augen sind klein, die Ohren rund und aufgerichtet.“, ist da zu lesen (Anmerkung: In Wikipedia).
Gut, stämmig, kurze Beinchen, Ohren rund und aufgerichtet… das trifft schon eher auf unseren Wauwau zu, über das „kräftig“ in Bezug auf die Stummelbeine müssten wir noch reden.
Insgesamt betrachtet ist es schon interessant, dass Hund und Bär so etwas wie Verwandte sein sollen, abgesehen davon, dass Hunde nicht so gerne Bäume hochklettern und Bären „Stöckchen holen“ tendenziell doof finden. Von einem gewissen Größenunterschied beider Arten jetzt mal abgesehen.
Es hilft alles nichts, die Frage nach der Gefährlichkeit eines Bären ist ungefähr so vernachlässigungswürdig wie die Feststellung, dass man höchstwahrscheinlich nass wird, wenn man tauchen geht.
Aus diesem Grund habe ich „Was ist das gefährliche an einem Bären?“ in meiner persönlichen Liste der dummen Fragen auf Platz eins gesetzt.
Wie ging der Abend aus? 
Angenehm eigentlich. Wir hatten alle still beschlossen, das Thema zu wechseln und redeten lieber über Naturkatastrophen und deren Frechheit, immer unangekündet aufzutauchen. Der Vorteil bei Naturkatastrophen ist einfach der, dass diese nicht klettern können und auch keine buschigen Ohren haben, von einem Stummelschwänzchen ganz zu schweigen. 
Lucky, unsere Hündin, bekam dann noch ein kleines Stück Käse von mir und die Welt war wieder in Ordnung.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Was ist das gefährliche an einem Bären?

  1. Gast sagt:

    sag mal, du findest Katzi echt nervig??? Da staun ich jetzt aber!!!

  2. Mark sagt:

    Ja, ich finde sie deswegen nervig, weil ich noch keinen wirklich sinnvollen Grund für ihre Medienpräsenz entdecken konnte. Sie wird aus unverfindlichen Gründen gehypt und ihr künstlich überdrehtes Gehabe nervt mich persönlich etwas. Ich löse es einfach dahingehend, dass ich reflexartig wegschalte, sobald sie am Bildschirm erscheint… ein Reflex, den ein Oliver Pocher bei mir übrigens auch auslöst… nebenbei erwähnt.
    😉

    Liebe Grüße
    Mark

  3. schweranonym sagt:

    Die Ausführung zum gefährlichen Bären find ich sehr nützlich, das hatte ich mir so noch nie überlegt. Man kann es gut gebrauchen, falls man mal einem begegnet!!!
    Auch deine Ausführungen zur Katzi machen mich sehr sehr nachdenklich. Danke Marc, du veränderst meine Sicht auf die Welt!!!

  4. Mark sagt:

    Ja, man hat mir schon öfters gesagt, dass mein Blog einem das Leben spielerisch nahebringt. Aber ich verrate dir an dieser Stelle ein Geheimnis: Bis zu diesem schicksalsschweren Abend hätte ich einen Bären auch völlig unterschätzt. Vor allem hätte ich die Gefahr seines Stummelschwänzchens total vernachlässigt.
    Wie du also erkennen kannst, bin ich ebenso wenig vor neuen Erkenntnissen gefeit, wie die wohl meisten wissbegierigen Lesern hier.

    Übrigens sollen Waschbären mit ihrem Sauberkeitsfimmel niemals unterschätzt werden…

    Zu Katzi: Naja, sie ist, wie sie ist… wäre sie anders, würde es auch nicht schaden…
    😉

    Liebe Grüße
    Mark

Kommentar verfassen