Welche Sprüche nerven Singles? – Teil 3

„Du sitzt bei Marie und Jan!“
 
Seit je her zählen wir zu den Herdentieren. Natürlich stößt dieses Wort bei einigen von uns sauer auf, denn schließlich gehören wir weder irgendeiner Tiergattung an, noch bilden wir Herden.
„Der Mensch ist ein sozial aktives und damit gemeinschaftlich orientiertes, vernunftbegabtes, Wesen“, klingt an dieser Stelle schon gesellschaftlich verträglicher.
Jo, ein Herdentier also. Das Problem an der ganzen Sache zeigt sich in der Fähigkeit zur Vernunft und wird besonders bei „gemeinschaftlich orientierten“ Zusammenkünften deutlich, insbesondere durch die allseits erfrischende Anwesenheit von Singles.
 
Normalerweise bedeutet jegliche Veranstaltung mit einer Zahl an Teilnehmern, die der mathematischen Gleichung von größer drei entspricht, einen wahren Freudentag für beziehungslose Menschen. Je mehr Personen auf einem Haufen herumtollen, umso besser die Chance für unser Rehlein, endlich jemanden zu treffen, der sich sofort Hals über Kopf in sie verliebt.
Natürlich soll dieser „Jemand“ Johnny Depp wie aus dem Gesicht geschnitten sein, gleichzeitig so witzig wie Michael Mittermeier und Mario Barth zusammen, mit einem Intelligenzquotienten, bei dem Einstein dagegen wie ein nasser Sack erscheint und der sexuellen Ausstrahlung von Graf Dracula persönlich.
Wie sich jeder von uns vorstellen kann, endet es meist nicht so für unsere weibliche Granate, die höchstens noch einsam in der Wüste detoniert. Wenn überhaupt, quatscht sie bei solchen Anlässen maximal ein Typ an, der unglaubliche Ähnlichkeit mit Yogibär besitzt. Sollten bei ihm ein Faible für Holzfällerhemden und Star Wars hinzukommen, dann ist klar, dass auch dieser Tag für sie zu einem Griff ins Klo wird.
Es sei denn, sie steht auf eine Mischung aus Chewbacca und John Boy von den Waltons.
 
Bei Omas achtzigsten Geburtstag platziert die Familie unser Rehlein normalerweise gleich an den Tisch der vielen, mitgebrachten Knirpse. Und nicht an die Tafel, gemeinsam mit Omas Kindern, deren Partner, Tanten, Onkeln, Yogibär und dem Rest des Rudels.
Sollte Hasiputz unglaubliches Glück widerfahren, verarbeitet Johnny Depp momentan seinen Trennungsschmerz und sitzt deshalb auch neben ihr, am Tisch mit den lieben, angesabberten Kleinen. Passiert jedoch normalerweise nicht und warum das so ist, erfahren wir weiter unten. Falls das Wunder dennoch eintritt und ein Typ neben ihr hockt, kann sie davon ausgehen, dass es entweder das Monster aus dem Sumpf ist oder ein irrer Soziopath.
 
Doch weshalb hören Singles und da wiederum Single-Frauen so häufig den niederschmetternden Satz: „Du sitzt bei Marie und Jan!“?
Der Grund liegt nicht darin, wie viele jetzt vielleicht vermuten mögen, dass uns partnerschaftliche Abstinenz in geifernde Bestien verwandelt. Für jeden bereits auf einige Kilometer Entfernung erkennbar, was dazu führt, dass alle instinktiv auf Distanz gehen. 
Nein, weit trivialer. 
Da wir ja als vernunftbegabte Wesen gelten, braucht der Mensch bei solchen Familienfeiern immer ein Opfer, das auf die lieben Kleinen achtet, damit die sich nicht gegenseitig mit der Kindergabel ausweiden. Oder gar Omas liebevoll gesammelte Porzellanfigürchen fröhlich gackernd als Wurfgeschosse benutzen und dabei Oma an ihrem Ehrentag in den Herzinfarkt kreischen.
 
Ein Single ist für eine derartige Aufgabe perfekt!
Erstens klärt es die Frage, wo unsere Rose sitzen soll. Schließlich sind bei Familienfesten auch die Partner ihrer Schwestern, Schwägerinnen, Tanten anwesend. Da kommt wiederum schnell mal eine gehörige Portion Besitzansprüche ins Spiel. Keine der Geschlechtsgenossinnen hat Bock darauf, dass ihre Männer auf dumme Gedanken kommen, wenn die Wüstenprimel alle mit ihren Erzählungen über trostlose Verabredungen auf Trab hält.
Zweitens erübrigt sich gleichzeitig die Suche nach einem willigen Opfer, das auf die kleinen Bestien aufpasst.
Natürlich wird sie auf diese Weise nicht abserviert.
Sie hat ja weder Lepra noch Staupe und außerdem ist ein Single nicht automatisch ein schlechter Mensch, den es zu meiden gilt. Nein, sie zeigen sich genauso herzlich, humorvoll, gesittet und anpassungsfähig wie der Rest der Menschheit.
Sie sind vielleicht nur einen Ticken einsamer als Pärchen.
 
„Du sitzt bei Marie und Jan“ oder im Falle eines gemeinsamen Ausfluges: „Du sitzt hinten bei Marie und Jan“ bekommen ausschließlich Single-Frauen um die Ohren geknallt.
Zum einen, weil dieser Satz IMMER von Frauen kommt. Sei es von der Schwester, der Schwägerin, der Cousine, Tante oder besten Freundin.
Die dahinterliegende Strategie: Revier abstecken. 
Zum anderen fallen Single-Männer am Tisch der liebenswürdigen Bälger binnen Sekunden in ihr Kinder-Ich zurück und richten eine Katastrophe an, die der Schlacht am Little Big Horn gleichkommt. Männliche Singles beruhigen keine kurzen Menschen. Sie rauben Ihnen bestenfalls das letzte Quäntchen Erziehung, das möglicherweise noch in diesen jungen Wesen dahinvegetiert.
 
Solche Typen, die meist auf Namen wie „Kalle“ reagieren, sitzen am Tisch der „Großen“ während das einsame Hasiputz den Kleinen zum hundertsten Mal die Geschichte von Hoppel, dem kecken Häschen im Liebeswald erzählt und dabei in tiefe Depression versinkt. Von Kalle selbst geht für gewöhnlich wenig Gefahr für die anderen Männer aus, frauentechnisch betrachtet. Denn Kalle ist schon hackedicht, bevor überhaupt die Suppe serviert wird.
 
Sollte nach dem Familien-Mahl Hasiputz und Kalle endlich aufeinander treffen, dann ist da bereits Hopfen und Malz verloren. Kalle konnte inzwischen die alkoholbedingte Metamorphose abschließen und dabei durch und durch den Aggregatszustand „flüssig“ annehmen, während Rehlein endgültig nach Anti-Deppresiva süchtig wurde.
Dank der lieben Kleinen und Hoppel, dem Hasen.
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