Welche Sprüche nerven Singles? – Teil 2

„Du bist einfach zu wählerisch!“
 
Ein jeder von uns durfte zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens die Höhen und Tiefen des Single-Daseins erfahren. Und wenn es nur am Tag der Geburt war.
Manche wiederum entschieden sich dafür, Singles zu bleiben und manche wollen an diesem Zustand zwar etwas ändern, doch niemand teilt ihren Entschluss.
 
Aus unzähligen Gesprächen mit lieben Freunden, Feinden, Neidern und gutmeinenden Häuten konnte ich immer wieder erfahren, wie schwer es für Männer ist, das unsagbar schnuckelige Rehlein am anderen Ende des Nachtclubs, im Bus, auf der Erotikmesse, im Zuchthaus, beim Metzker, etc. gekonnt anzusprechen.
Interessanterweise höre ich exakt das gleiche Argument auch von Frauen. Sie erblicken einen Mann, der – ihrer Meinung nach – unglaubliche Ähnlichkeit mit George Clooney, Brad Pitt oder Jürgen von der Lippe besitzt. Oftmals verlieben sie sich sehr spontan in ihn oder fühlen sich zumindest von seinem Charisma, gerne in Form eines Porsches, unwiderstehlich angezogen. Ob der Typ tatsächlich der Zwillingsbruder von Herrn Clooney sein könnte, hängt davon ab, wie stark ihre Kurzsichtigkeit ausgeprägt ist. Oder wie lange sie keinen Kerl mehr ins Bett bekam.
Unser Rehlein wird ihren Traummann in den allermeisten Fällen nicht ansprechen, denn dafür ist sie schlicht einfach zu feig. So etwas schlägt bei ihr auch schon mal in Frust um. Da weht dann statt dem längst überfälligem Lächeln ein arktischer Wind der Missachtung zu George und Brad herüber. Dabei ist es völlig egal, ob der Typ selbst sie bereits die ganze Zeit anschmachtete oder sie keines Blickes würdigte.
Falls es der Kerl im Laufe des Abends von seiner Seite aus wagen sollte, sie anzusprechen, hetzt sie ihm nun mit Sicherheit die Polizei an den Hals oder den Pfefferspray in die Augen. Im übertragenen Sinne.
Sollte allerdings das Wunder passieren und beide kommen ins Gespräch, befindet sich die zarte Flamme der Leidenschaft dennoch in ständiger Gefahr, wieder den Erstickungstod zu sterben.
 
Frauen stört an Männern besonders, wenn diese über wenig Allgemeinbildung verfügen (75%), deren Freunde Ekelpakete sind (50%) oder der Cowboy auf seine starke Rechtschreibschwäche stolz ist. Dies ist immerhin noch bei 34% der Frauen der Fall, die im Rahmen einer Umfrage von Elite-Partners befragt wurden.
Auch zu viel Esoterik-Gedöns finden wenigstens 27% unserer Rehlein abtörnend.
Interessanterweise verhält es bei Männern ähnlich: Hier stoßen sich 62% der Männer an Frauen, die Barack Obama für eine Automarke halten. 45% haben keinen Bock auf ihre sadistischen Freundinnen und knapp 39% ergreifen die Flucht, sollte sich Hasiputz als esoterische Hexe mit Räucherstäbchen-Fetisch entpuppen.
 
Natürlich interessiert die meisten meiner weiblichen Leser, wie Mann über ihr Erscheinungsbild denkt.
Etwa 25% der Männer irritiert ein starker figürlicher Makel. Damit ist nicht gemeint, dass Er sofort das Weite sucht, nur weil Sie unter einem Pickel in der rechten Kniekehle leidet. Das bedeutet jedoch auch, rund zwei Drittel der Männer ist es mehr oder weniger egal, wenn die Figur der Angebeteten eben NICHT göttliche Dimensionen erreicht.
Wir reden hier von Partnerschaften, wohlgemerkt. Wir können getrost davon ausgehen, eine Umfrage zum Thema „der spontane Fick für zwischendurch“ würde völlig andere Ergebnisse zutage bringen.
Während für eine dauerhafte Beziehung der Frauentyp „FAZ-Journalistin“ durchaus Chancen hätte, auch wenn dieser in etwa eine Ausstrahlung besitzt, wie die weibliche Variante von Stephen Hawking, unterscheiden sich die Auswahlkriterien bei lediglich erotische Scharmützeln geringfügig.
Deshalb müssen eine Pamela Anderson, eine Victoria Beckham etc. nicht unbedingt geistige Überflieger sein, sollte ihnen der Sinn nach einem Abenteuer stehen.
Frauen sind in diesen Dingen den Männern nicht allzu weit entfernt.
Logischerweise werden sie – auf die Partnerwahl angesprochen – immer darauf bestehen, dass ihr an ihm tolle Hände, interessante Augen und ein gutmütiges, aber verwegenes Lächeln besonders imponieren.
Auch darf er den Dalai Lama ruhig gut finden, Greenpeace zumindest im Geiste unterstützen und die USA als die wahre Achse des Bösen sehen.
Letztlich wird es ihr jedoch völlig egal sein, wie unendlich doof er eigentlich ist, sollte er seine Hüften so geschmeidig bewegen können, wie Mr. Paul „Dizzy Hips“ Blair. Bei diesem Herrn handelt es sich um den Weltmeister im Hula Hoop-Dauerlaufen, der dummerweise Amerikaner ist.
 
Obwohl unsere – leider noch unentdeckte – Göttin der Leidenschaft ihre Ansprüche inzwischen bis zum Bodensatz runterschraubte, sie inzwischen ihre Partnersuche auf Friedhöfen ausweitete und vor lauter Verzweiflung in jedem Splatter-Horror-Movie eine romantische Liebesschnulze sieht, hört sie ständig folgenden Satz: „Du bist einfach zu wählerisch!“
 
Zu jeder sich bietenden Gelegenheit werden die sadistischen Freundinnen unserer schüchternen Rose ihr diese Worte vor die Füße werfen, wie der Feldherr dem römischen Kaiser das Haupt des besiegten Feindes. Mit triumphalem Lächeln genießen sie, wie ihre Hoffnung Stück für Stück zerbröselt. Letztlich geben sie ihr mit geheuchelten Ratschlägen den Rest. Tipps, die für unsere, in Einsamkeit dahinsiechende, Wüstenblume sowieso undurchführbar sind.
Letztlich scheint es völlig egal, ob der weibliche Single ihre Bekanntschaften aus dem Kuriosenkabinett abgreift und damit auf Familienfeiern oder sonstigen offiziellen Gelegenheiten erscheint. Dieser Satz begleitet sie so lange, bis sie endlich vor dem Traualtar steht. Die Übersetzung von: „Du bist einfach zu wählerisch!“ bedeutet unter Frauen übrigens nichts anderes als: „Ich bin attraktiver als du!“
 
Es handelt sich dabei mal wieder um ein Spiel der Macht.
Wenn beispielsweise eine Zombie-Plage die Stadt heimsucht und ein fortgeschritten verwesender Untoter spaziert geradewegs auf unseren Single mit ihrer besten Freundin zu und diese sagt: „Vergiss es. Bei dem hast du nie und nimmer Chancen“, dann beansprucht sie damit lediglich die Pole Position in Sachen Attraktivität. Es ist weder das erklärte Ziel, ihre Single-Freundin vor dem Zombie zu retten, noch hegt sie irgendwelche eifersüchtigen Gefühle beim Anblick eines Typen, der gerade seinen Unterkiefer verliert, während er grunzend auf die beiden zustolpert.
Sie will ihr einfach eine Ladung reinbuttern und klarmachen, wer die Nummer eins ist.
 
Männer funktionieren in diesem Fall völlig anders. Natürlich kommt ein solcher Satz auch unter Kerlen vor, aber eben nicht in Verbindung mit einem geifernden Grinsen. Sie lassen ihn nicht einfach so stehen, sondern kombinieren ihn mit total schlauen Dingen. Das klingt dann in etwa so: „Alter, du bist zu wählerisch! Grab dir ein Loch in den Boden und schwängere gleich den gesamten Planeten. Haben die Indianer schon getan.“
Was darauf folgt, ist eine intensive Diskussion über Winnetou und John Wayne. Ohne jegliche Gehässigkeit. Hätte der Duke außerdem nicht verdient.
 
Der Unterschied liegt darin, dass Männer diese Form der Stutenbissigkeit nicht kennen. Demnach gäbe es auch das Wort „Hengstbissigkeit“ (oder bei besonders armen Teufeln: Wallachbissigkeit). Das tut es jedoch nicht. 
Heterosexuelle Kerle duellieren sich auf andere Weise. Der moderne männliche Duellant besiegt seinen Gegner bei einer Runde Playstation, übertrumpft den Nebenbuhler mit dem dickeren Auto oder der größeren Uhr. Manche versuchen, ihren Rivalen unter den Tisch zu trinken, doch das geht schon mal ins Auge.
 
Sobald also ein weiblicher Single die unheilvollen Worte: „Du bist zu wählerisch!“ vernimmt, kann sie davon ausgehen, als Konkurrentin betrachtet zu werden. Frauen sind nicht zu wählerisch. Maximal sollten sie damit beginnen, sich selbst erstmal attraktiv zu finden! Wie soll George Clooney sie abschleppen wollen, wenn sie selbst keinen Bock darauf hat, an ihrem eigenen Ohrläppchen zu nuckeln? 
Liebe Frauen: Steht zu eurer Ausstrahlung, dann steht euer Traummann auch auf euch!
 
Nächstes Mal ergründen wir gemeinsam den perfiden Satz: „Du sitzt bei Marie und Jan!“
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