Die Chinesen kommen

 
Wer hat schon einmal von der argentinischen Ameise gehört?
Diese kleinen Racker werden in etwa drei Millimeter lang, gründen sogenannte Superkolonien und verbreiten sich rasend schnell auf sämtlichen Erdteilen. Besonders auffällig an dieser Ameisenart ist ihr aggressives Verhalten allem gegenüber, das nicht einer argentinischen Ameise ähnelt. Trifft sie beispielsweise auf eine Vertreterin der bei uns heimischen Waldameisen (hier handelt es sich um jene possierlichen Tierchen, die lustige Haufen im Wald bauen), greift sie diese sofort an. Die mehr als doppelte so große Waldameise wird mit dem argentinischen Rumpelstilzchen selbstredend spielend fertig. Jedoch flüchtet die argentinische Ameise kurz darauf, holt ihre Freunde und kehrt zurück. Plötzlich sieht sich unsere Waldameise einer Armee von über hundert Gegner gegenüber, gegen die sie natürlich keine Chance hat. Damit nicht genug, rotten dann tausende weitere argentinische Ameisen gleich die gesamte Waldameisen-Kolonie aus.
 
Woran erinnert uns das, hm?
Richtig, an einer typischen Szene vor jeder beliebigen Disco in Berlin. Izmir, seit seiner Geburt aggressiv wie drei rollige Bullen, greift, ohne ersichtlichen Grund, den Manfred an. Der Manfred, unangefochtener Klassenbester und Vize-Schulsprecher, überragt den Izmir um zwei Köpfe, da der Izmir schon recht früh zu wachsen aufgehört hat. Natürlich bekommt der Izmir eine feste Abreibung. Während sich der Manfred noch fragt, ob „wegschubsen“ ethisch vertretbar war, läuft Izmir – unter Absingen hässlicher Lieder – davon. Kurz darauf kommt er zurück und mit ihm ein Teil seiner engeren Familie. Insgesamt 140 Personen. Gemeinsam drehen sie den Manfred so lange durch den Fleischwolf, bis er nächstes Jahr maximal Vize-Patientensprecher der Intensivstation werden kann.
 
Was sagt uns dieses Beispiel?
Eigentlich ist diese Welt gar nicht so kompliziert, denn vieles von unserem Verhalten findet ihren Ursprung in der Tierwelt. Wenn wir also etwas genauer darauf achten, wie die tierischen Vertreter miteinander umgehen, entdecken wir zahlreiche Gemeinsamkeiten zu den Menschen.
Werden die argentinischen Ameisen irgendwann den gesamten Planeten beherrschen? Nein, denn sie vertragen keine Kälte und reagieren allergisch auf Insektenspray.
 
Was hat das jetzt mit den Chinesen zu tun?
Absolut nichts, aber mir gefiel diese Geschichte als Einstieg. Ein kleiner Ausflug in die Welt des Wissens als Auflockerung.
Die Chinesen bauen alles Mögliche nach.
Jedes ausländische Industrieunternehmen, das in China einen Standort eröffnen möchte, muss sich verpflichten, chinesische Fachkräfte anzustellen. So lief beispielsweise, bald nachdem VW eine Fabrik in Anting eröffnete, ein PKW namens „Golo“ von einem chinesischen Fließband. Dass dieser dem VW Polo mehr als ähnlich sah, erklärt sich von selbst.
Auch bei Aufträgen, die der Staat an Firmen anderer Länder vergibt, müssen einheimische Ingenieure angestellt werden. Siemens bekam vor ein paar Jahren den Zuschlag, Turbinen für einen Staudamm zu liefern. Nachdem eine dieser Turbinen errichtet wurde, stoppten die Chinesen den Bau der weiteren Anlagen. Siemens konnte daher seinen Auftrag nicht vollständig ausführen. Den Rest erledigten chinesische Unternehmen, die exakte Nachbauten dieser Turbine anfertigten.
 
Kein anderes Land kopiert so effizient fremde Produkte wie China. Diese Form der Dreistigkeit ist einmalig auf der Welt.
Von den Amerikanern ist zumindest nichts in dieser Art bekannt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil mit Sicherheit irgendein Gesetz in den USA existiert, das dieses Vorgehen per Todesstrafe verbietet.
In einem Land, in dem es beispielsweise verboten ist, nackt zu duschen (in Florida), man nicht fischen darf, während man auf einem Giraffenhals sitzt (in Illinois) oder per Gesetz untersagt ist, Disteln anzupflanzen (in Maryland), gibt man sich gerne um eine Spur vorsichtiger. Und ja, diese Gesetze existieren dort wirklich. Irgendwo ist es auch verboten, mit einem Fahrrad durch einen Swimmingpool zu fahren, aber im Moment weiß ich nicht in welchem Bundesstaat.
Die Russen könnten es den Chinesen gleichmachen. Dummerweise ist aber dort der Staat selbst zu Bankrott für solche perfiden Pläne.
Die Schweizer hätten wiederum genug Geld. Sie sollen sogar eine große Bereitschaft für die Entwicklung von Plagiaten besitzen. Im Moment sind sie noch dabei, irgend so einem Typen die Idee mit dem Feuer zu stehlen. Angeblich scheitert es derzeit aber an der Durchführungsgeschwindigkeit, mit der zwei Feuersteine aneinandergeschlagen werden müssen.
Da sind die Österreicher schon weiter. Die kopieren zurzeit mit Hochdruck das Rad.
Die Deutschen kommen gar nicht in Frage, denn Deutschland erfindet ja alles, damit die Chinesen etwas zum Nachbauen haben. Eine Symbiose also.
Natürlich gibt es da auch noch ein paar weitere asiatische Staaten, die ein Imitat nach dem anderen auf den Markt werfen. Man denke nur an die Bekleidungsindustrie. Diese Länder sind aber lange nicht so erfolgreich wie die Chinesen.
 
Der Grund dürfte darin liegen, dass China ein kommunistisch geführtes Land ist. Das ist insofern toll, dass ganz oben jemand sitzt, der dem Rest sagt, was er zu tun hat.
Sollte von irgendwoher ein Nörgler auftreten, der die Idee nicht ganz so prickelnd findet, wird dieser in ein Arbeitslager gesteckt. Ein bewährtes System. Aus der Sicht der chinesischen Führung.
Die chinesische Regierung hat einen Fünfjahresplan entwickelt und zieht diesen konsequent durch. Der aktuelle Plan sieht vor, dass China den Weltraum erobern möchte. Vermutlich hat deren Parteichef die StarWars-Saga gesehen und fühlt sich jetzt schon als Darth Lee. Dass es ihnen gelingen wird, steht außer Frage, denn kurz, nachdem die Amerikaner so doof waren und einen Chinesen mit zur ISS (jene Raumstation, die ständig die Erde umkreist) nahmen, gab es kurz darauf in China den ersten bemannten Weltraumflug.
 
Während also in den demokratischen Ländern dauernd herumgestritten wird, wer was wann machen soll und warum; während ständig einer rummosert, dass der andere mehr bekommt, haben die Chinesen einen Fünfjahresplan entwickelt.
Dieser sieht vor, dass die Bevölkerung in etwa Nichts hat – denn wenn alle nichts haben, kann sich auch niemand beschweren, dass ein anderer mehr bekommt – und demnächst der Weltraum erobert wird.
Damit kein Missverständnis auftritt: Ich kann dem kommunistischen Gedanken aber auch gar nichts abgewinnen! Ich rege mich gerne darüber auf, dass in der Bevölkerung die eine Gruppe bevorzugt wird, während die andere die Arschkarte zieht. Solange ich mich darüber aufregen kann, weiß ich, dass die Welt noch in Ordnung ist.
Dummerweise deuten jedoch sämtliche Prognosen darauf hin, dass China bis zum Jahr 2050 zum mächtigsten und reichsten Staat auf diesem Planeten aufsteigt. Das Reich der Mitte wird die wichtigste Wirtschaftsmacht werden.
 
Tja, dann können wir uns warm anziehen und „Ente süß/sauer“ wird uns ganz schön im Hals stecken bleiben.
Bis es so weit ist, entwickelt sich ein verbissener Wettstreit um die besten Plätze am weltweiten Wirtschaftskuchen: Die Deutschen werden wie die Weltmeister Dinge erfinden und entwickeln, die Chinesen bauen alles nach, die Amerikaner beschließen weiterhin völlig sinnfreie Gesetze und verwickeln sich mit Leidenschaft in idiotische Kriege, die dieses Land immer tiefer in den wirtschaftlichen Abgrund treiben … und die Schweizer? Bis 2050 werden sie das mit dem Feuer auch hingekriegt haben.
 
Ob wir wollen oder nicht, Darth Lee ist näher, als uns lieb ist.
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