Anleitung zum Unglücklichsein?

 

Einer neueren Statistik zufolge werden rund 20 Prozent der Ehen in den ersten fünf Jahren wieder geschieden.
Angeblich sollen Partnerschaften (also ohne Eheschließung) überhaupt nur noch durchschnittlich 24 Monate halten. Die Frage drängt sich auf, warum die Menschen heutzutage nicht mehr einander vertragen.
Da solche Themen traditionellerweise bei mir genau richtig sind, werde ich nun etwas weiter ausholen und mich dann langsam an die Antwort heranschleichen.
 
Für mich ist es grundsätzlich ein Wunder, wie zwei so völlig unterschiedliche Wesen wie Mann und Frau überhaupt länger als einige Atemzüge miteinander auskommen, ohne sich an die Gurgel zu gehen. Es ist nun mal leider die traurige Tatsache, dass diese beiden Geschlechter komplett anders denken, handeln, kommunizieren und so insgesamt die Welt wahrnehmen.
 
Frau beispielsweise denkt immer in Wahrscheinlichkeiten und Eventualitäten. Nehmen wir an, der Mann sagt: „Ich gehe mal schnell runter zum Wagen.“
Für die Partnerin bricht in diesem Moment eine Welt zusammen. Schließlich könnte Er jetzt seine heimliche Geliebte treffen, die womöglich im Auspuff lebt. Oder er beginnt überhaupt gleich eine Beziehung mit dem Auto, oder oder oder.
Sobald er aus der Tür raus ist, wird sie sich den Kopf zermattern und daran schier zerbrechen.
Der Mann wiederum ist ein „Dort Problem, da Lösung“-Wesen. Wenn sie ihm mit weinerlicher Stimme sagt, dass sie das Gefühl habe, das es der Beziehung in letzter Zeit an frischem Wind fehle, dann kauft er am nächsten Tag einen Ventilator.
Auch die Wahrnehmung ist so eine Sache.
Mann ist eher so ein haptisch visuelles Wesen: Sobald er etwas sieht das ihm gefällt, will er es betatschen. Besonders kleinliche Zeitgenossen interpretieren dies dann gerne als „sexuelle Belästigung“ und kreischen sofort in der Gegend herum. Tja, der Mann, das Opfer seiner eigenen Evolution.
(natürlich habe ich das jetzt nicht bierernst gemeint!)
 
Was sind überhaupt die wichtigsten Trennungsgründe bei zerbrochenen Beziehungen?
 
Die Spitzenposition mit knapp 40 Prozent nimmt „Wir haben uns auseinander gelebt“ ein.
Gut, „ineinander leben“ ist auch etwas schwierig, nicht wahr?
Das Problem ist einfach jenes, dass Mann und Frau stets hochmotiviert, mit einer riesigen Tüte an Erwartungen, in eine Partnerschaft spazieren. Sind dann erstmals ein paar Monate ins Land gegangen, tritt der Alltag ein. Was in der Folge passiert, ist der eigentliche Kardinalfehler: Beide Seiten lassen sich gehen.
Er sitzt in der speckigen Jogginghose vor der Glotze und hat sein Weltbild um den Faktor „1x Duschen pro Woche reicht“ erweitert.
Sie läuft mit den super bequemen IceAge-Schlappen herum, gibt in ihrem Glück jegliche sportliche Tätigkeit auf und merkt nicht, dass Sid an ihren Füssen immer breiter wird.
So etwas kann einfach nicht klappen, denn zu einer funktionierenden Beziehung gehört, dass beide Seiten dafür sorgen, diese prickelnd zu halten.
 
Der zweithäufigste Grund mit knapp 30 Prozent lautet: „Wir waren zu unterschiedlich„.
Gut, bei heterosexuellen Partnerschaften gehe ich davon aus, dass die Paare grundsätzlich unterschiedlich sind. Ansonsten wäre es etwas seltsam.
Jetzt sind hier aber eher die individuellen Interessen zu verstehen, die sich letztlich zu weit voneinander entfernen.
Ich drücke es mal so aus:
Das Wichtigste im Leben ist die Kommunikation. Für den Fall, dass nun meine weiblichen Leser begeistert nicken und ein: „Ich hab’s immer schon gewusst!“ murmeln: Nein, mit Kommunikation ist nicht gemeint, dass man sein Gegenüber so lange nieder schwallt, bis es den Puls aussetzt, sondern ich meine den gegenseitigen Austausch verbaler Art.
Wenn ich jemanden kennenlerne und mit dieser Person mehr vorhabe, als einen Quickie, dann bietet es sich an, einander auszutauschen.
Wenn mein Gesprächspartner nun begeisterter Jäger ist und ich wiederum militante Veganerin, dann kann man sich ausrechnen, dass Probleme vorprogrammiert sind.
Ein Kumpel von mir ist vom Beruf Bäcker und hatte vor Jahren eine Freundin, die veganisch lebte (drückt man das überhaupt so aus? „veganisch leben“?). Jedenfalls, so erzählte er mir, stritten sie den ganzen Tag darüber, wie sehr Brot leidet, wenn es dieser schrecklichen Hitze ausgesetzt wird. Nachts vögelten sie sich die Seele aus dem Leib, da war beiden das grausame Schicksal der Brotleiber zwei Stockwerke tiefer scheißegal. Die Beziehung hielt schließlich nicht lange und ich glaube der Trennungsgrund war ein Ledergürtel, den sie in seinem Schrank fand.
 
 Mit etwas über 26 Prozent der dritthäufigste Grund für eine Trennung ist „Das ungleiche Maß von Geben und Nehmen„.
Nun, ich habe mir sagen lassen, dass das auch der Grund für sämtliche Gegner von den Klitschko-Brüdern ist, weshalb diese dann meist vorzeitig den Ring wieder verlassen.
Aber jetzt mal im Ernst:
Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es sich hier um so eine „Frauensache“ handelt.
Das muss man sich mal vorstellen: Ein Viertel aller Beziehungen gehen in die Brüche wegen einer Sache, die wir Männer nicht mal kapieren und woran Frauen emotional daran zerbrechen!
 
An dieser Stelle ein Hinweis an unsere Mathematiker in der Runde: Bei dieser Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.
 
Das Problem von Geben und Nehmen ist mal wieder die völlig unterschiedliche Wahrnehmung beider Geschlechter. Zu Beginn sind beide Seiten noch in einem Rausch der Gefühle, lustwandeln fröhlich gurgelnd durch die Welt und sind einander gegenüber so hilfsbereit und nett, dass einem dabei übel wird. Da fragt Mann beispielsweise, ob er Frau beim Abwasch helfen darf (!). Anschließend bringt Frau ihrem Liebsten das Essen vor die Glotze und öffnet auch noch das Bier für ihn.
Das ist ja alles goldig und schön, das Problem an der Sache ist nur, dass Mann keine Antennen für hochkomplexe kommunikative Fallstricke hat. Er besitzt kein Gefühl dafür, warum ein „Nein“ ein „Ja“ ist und umgekehrt. Wenn er in einem Anfall von unerklärbarer Verliebtheit seinem Hasi anbietet, das Geschirr zu spülen und Schnuffelmaus antwortet mit einem: „Ist doch nicht nötig“, dann hat sich das für alle Zeiten in sein Hirn eingebrannt!
Beim Mann kommt folgende Information an: „Abwasch: NEIN“
Dass Schnuffelmaus das nur für diese einmalige Situation meinte und vielleicht in Wahrheit gerne hätte, dass der Liebste ihr sehr wohl dabei hilft, aber mindestens noch 50x fragen muss, das fällt ihm im Traum nicht ein.
 
Bringen wir es auf den Punkt:
Im Grunde ist es ein Wunder, dass sich Mann und Frau nicht gegenseitig auszurotten versuchen. Dank der täglichen Gewaltleistungen, die unsere Hormone vollbringen, bemühen sich beide Geschlechter immer wieder aufs Neue, miteinander auszukommen. Und das, obwohl wir regelmäßig auf die Schnauze fallen und es in den wenigsten Fällen gut geht.
 
Für mich sind die Hormone die wahren Könige der Evolution. Das möchte ich an dieser Stelle mal ganz klar sagen!
 

 

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