Ist Dummheit eine Gnade?

 
Neulich konnte man einmal mehr Daniela Katzenberger im Fernsehen bewundern.
Es ist ja nicht so, dass es sich hierbei um ein seltenes Phänomen handelt.
Wir dürfen sie dabei begleiten, wie Frau Katzenberger ihre Oma besucht, sich ein Auto kauft oder ihren Geburtstag feiert. Wenn es nicht eine Talkshow oder eine Daily-Soap ist, dann sehen wir sie in einem TV-Spot.
Frau Katzenberger erfreut also des TV-Sehers Landschaft, indem sie möglichst oft dessen Augen umschmeichelt. So jedenfalls dürften es die TV-Macher glauben.
 
Immer wenn sie sich in die Kamera grinst, fällt mir neben ihren unglaublich weißen Zähnen, ihre seltsame Art zu sprechen auf. Haben Sie es auch schon bemerkt, wie sie die Endsilbe eines jeden Satzes hochzieht? Dieses Sprechmuster erinnert an die französische Sprache, nur eben um einen Hauch stumpfsinniger. Ob man irgendwann einmal Frau Katzenberger geraten hatte so dämlich zu reden oder ob es ihr persönlicher Stil ist, bleibt offen.
Ich denke, dieser sprachliche Singsang geht über den regionstypischen Dialekt hinaus. Auf eigenartige Weise wirkt es wie eine pervertierte Form der Mundart. Es kann natürlich auch sein, dass sie in einem Umfeld aufwuchs, wo die Pflege der Sprache den gleichen Stellenwert hatte, wie das Entziffern der Keilschrift.
 
Was wäre wohl, wenn eine ausserirdische Intelligenz in genau jenem Augenblick die ersten Signale von uns Menschen empfängt, wenn uns Frau Katzenberger zum wiederholten Male die Telefonnummer einer Auskunft erklärt und anschließend Billigmöbel in den Himmel lobt? Was ist, wenn die Ausserirdischen in genau diesen Moment gebannt auf einen Monitor starren, weil sie gerade den Beweis für fremdes Leben entdecken? Und was ist, wenn es dann ausgerechnet das Signal eine der Reality-Shows ist, in denen die Katzenberger so etwas Epochales unternimmt, wie beispielsweise Klopapier bei Penny zu kaufen?
Was würden sich die Aliens dann denken?
Ob das unser Präsident ist?
Ob alle Wesen auf diesem Planeten so sind, wie die hibbelige Blonde mit dem Klopapier in der Hand?
Ob sie dann immer noch Lust haben, unseren Planeten zu besuchen?
 
Einige Zeit lang dachte ich, dass Daniela Katzenberger das Erfolgsrezept von einer Veronika Feldbusch zu imitieren versucht, indem sie eins auf dümmlich naiv macht. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass hier nichts nachgemacht wird: Sie ist einfach so doof.
Gut, lassen wir diese Gleichung für einen Moment so stehen: Katzenberger = doof.
Demgegenüber steht aber nunmal, dass man ihr zwar viel nachsagen kann, jedoch sicher nicht, dass sie keinen Platz in der Öffentlichkeit hätte. Ständig sieht man sie irgendwo, man liest etwas von ihr und sie verdient damit auch noch Geld.
Wenn ich nun das Geheimnis für Erfolg in der Medienlandschaft zu ergründen versuche, dann müsste ich am Beispiel Katzenberger daraus schließen, dass eine gewisse cerebrale Unterversorgung durchaus hilfreich ist.
Ein anderes Maß für Erfolg wäre das Können.
Was kann Frau Katzenberger also?
Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir nicht viel ein. Singen gehört jedenfalls nicht dazu. Die Schauspielerei möchte ich mir gar nicht vorstellen. Maximal könnte man hier eine Redegewandtheit nennen, wenn darunter das sinnlose Aneinanderreihen von Worthülsen zulässig ist.
Vielleicht ist sie so erfolgreich, weil sie so unglaublich attraktiv ist und über einen gewaltigen Sexappeal verfügt? Nun, am Geschmack scheiden sich bekanntlich die Geister, aber sollte es nur das sein, dann fallen mir spontan mehr ansprechendere Frauen ein, als Buchstaben ich bis dato geschrieben habe.
 
Ich möchte jetzt nicht ständig über Daniela Katzenberger herziehen. Mir geht es heute darum, zu ergründen, warum ein bestimmter Schlag Menschen, denen man normalerweise nicht zutrauen würde, Deutschlands Hauptstadt ohne unfreiwilliger Komik zu benennen, in der Medienlandschaft erfolgreich unterwegs ist.
Frau Katzenberger ist für mich in dieser Sache lediglich ein Paradebeispiel.
Ähnlich unverständlich ist der Fall des letztjährigen DSDS-Gewinners Pietro Lombardi.
Jetzt mal ganz ehrlich: Intellektuell betrachtet wirkt im Vergleich zu ihm Lukas Podolski  wie ein grenzgenialer Raketenforscher. Seine Merkfähigkeit für Liedtexte geht in nur seltenen Fällen über den Titel hinaus und ich behaupte mal zu sagen, dass man es ihm auch ansieht: Cerebrale Entkernung hinterlässt im Gesicht Spuren. Nicht immer, aber häufig genug.
Natürlich ist er ein guter Sänger, keine Frage. Das erklärt jedoch nicht seine riesige Popularität. Auch in der aktuellen Staffel von DSDS trifft der geduldige TV-Seher auf einen Kandidaten, dessen geistige Fähigkeiten knapp vor der Haustüre enden.
Richtig, Joey Heindle.
Im Gegensatz zu Pietro Lombardi erinnert sein Gesang an das Miauen einer Katze mit schwerem Liebeskummer. Dazu kommt, dass seine intellektuellen Ergüsse jeden anderen normalerweise in die geschlossene Anstalt bringen würden. Nicht in diesem Fall: Auch wenn er keinen einzigen Ton trifft und nur Müll labert, wird er von Sendung zu Sendung getragen, so zahlreich ist seine Fan-Gemeinde.
Die Frage an dieser Stelle ist, welche Mechanismen treten hier beim Zuseher in kraft, das diese beiden Sänger eine solche Popularität aufbauen können? Schließlich waren beide – Pietro und Joey – vor DSDS völlig unbekannt.
Genügt es lediglich, im Fernsehen präsent zu sein?
Ist es eine Variante von Mitleid? Kann es wirklich sein, dass unzählige Personen deswegen für Joey voten, weil „man der armen Sau ja irgendwie helfen muss“?
Oder ist diese Gesellschaft inzwischen vom Niveau her so degeneriert, dass jeder Stimulus, egal wie beschränkt er auch sein möge, gierig aufgesogen wird?
Dass es keine Frage des Talentes, als Meßlatte für Erfolg, ist , sondern es sich nur noch um Ablenkung dreht? Ohne Anspruch auf Qualität?
Drehen wir das Ganze doch mal um:
Wer kann spontan drei Gehirnakrobaten in der Unterhaltungsbranche nennen? Ich meine jetzt keine Nobelpreisträger, sondern Personen, die zumindest wissen, wie viele Planeten unser Sonnensystem hat und wie man den männlichen Hund bezeichnet (und damit meine ich nicht „Bello“).
Richtig, hier wird es bereits kniffliger.
Dieter Nuhr wäre so jemand, Thomas Gottschalk fiele mir auch noch ein.
Kann es wirklich sein, dass Intelligenz ein Hindernis auf dem Weg zum „Promi“ ist? Ich rede natürlich nicht von Kalibern wie ein Stephen Hawking.
Klar, sobald er zu erzählen beginnt (wenn er es könnte, einfach mal angenommen), dann fühlt man schnell mal geistige Erschöpfung in sich aufsteigen. Seine Witze würden maximal Nobelpreisträger zum Schmunzeln bringen.
Ich meine ganz normale Personen, mit brauchbarer Allgemeinbildung; die bereits in ihrem Leben ein Buch gelesen haben. Menschen, die das Wort »Haus« korrekt buchstabieren können, ohne dafür einen Joker zu verbrauchen.
Ich denke, dass wir auf einem Level angekommen sind, wo seichte Unterhaltung zum Normwert erhoben wird.
Wer heute im TV etwas werden möchte, der sollte im besten Fall leicht beschränkt sein, diesen Zustand in seinem Gesicht erkennen lassen und exzentrisch genug, um wie ein Wasserfall zu reden.
Siehe hier als Beispiel die Katzenberger oder eben Joey von DSDS.
Sehr hilfreich ist auch, wenn der künftige Promi dumm wie Brot ist und sich dabei als intellektuelles Genie fühlt. Siehe hier Kader Loth.
Sollte man dummerweise sogar eine Schule besucht haben, dann wird es eher schwierig. In diesem Fall bleibt nichts anderes übrig, sich als möglichst beschränkt zu verkaufen versuchen. Tom Gerhardts oder auch Olaf Schubert kann man hier als Beispiele nennen.
 
Nicht die TV-Landschaft selbst lässt mich angesichts dieser Entwicklung fassungslos mit den Lippen spielen. Es sind die Zuseher, die solche Dumpfbacken zu Stars machen, die mir Angst einjagen.
Gestern hieß es noch »Geiz ist geil«, heute lautet wohl die Prämisse »doof sein ist geil«.
Dieser Beitrag wurde unter Soziologie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Ist Dummheit eine Gnade?

  1. Danka sagt:

    Nun ja, im Zeitalter der Kommunikation und des technischen Fortschritts zeichnet sich ein „Schrumpfprozess“ ab. Der des Gehirns, da man es nun fast nicht mehr belasten muß. Antworten auf Fragen; sogar ganze Studienarbeiten und Doktorate, sind im Internet abruf- und „abkupferbar“. Wem nimmt es dann noch Wunder, dass eben auch das Niveau auf ein so „höchst dramatisches, wie überaus überragenes Level“ steigt?
    Wie war noch die steigerungsform von stumpf?
    Stumpf, stumper, am stumpfesten?
    Ach nein! Stumpf, doofer, am idiotischsten!
    Oder, um es kurz zu machen: „Außen vielleicht hui und innen total pfui!“.

    Aber eine „Kunstform“ wird einem schon geboten, die dass selbst deutschsprechende ausländische Mitbürger diese nicht imitieren können.
    Oder sind sie nur zu bequem in ihrem Gedankenmuster?
    Sicher verfügen sie nicht über dieses „geniale Niveau“ dieser Frau, noch dem der Mediengestalter.
    Da kommt mir ein alter deutscher spruch in den Sinn:
    „Armes deutschland, wie weit bist du gekommen?“
    Oder besser:
    „Arme deutsche Sprache, wie sehr wirst du noch leiden?“

    Ich las Neulich einen bericht, wo nur rund 10% der deutschsprachigen Bevölkerung ihrer eigenen Muttersprache in Ton und Schriftbild mächtig sind.

    Dass sollte einem doch sehr zu denken geben … .
    Wollen wir denn wirklich zulassen, dass die deutsche Sprache zu einem absoluten Slang mutiert?

    • Mark E. Carter sagt:

      Es stimmt, die dt. Sprache schleift sich immer mehr ab. Gleichzeitig ist es Effekt, der durch sämtliche Generationen hindurch zu beobachten ist. Dass es nur noch 10% sind, die ihre dt. Muttersprache beherrschen, ist jedoch in der Tat mehr als bedenklich.

  2. Davina sagt:

    Zu Joey H. :
    Ich vote für ihn weil ich ihn unterhaltsam finde. Und sein Gesang hat mir zu beginn des Castings gut gefallen, leider lässt das rapide nach und ein Ende der Fahnenstange nach unten ist auch nicht abzusehen. Schade eigentlich. Ich rufe nur für ihn an, weil ich das Prinzip der Sendung unterhaltsam finde. Am anfang jeder Staffel suche ich mir einen Kandidaten raus, für den rufe ich an und bin dann jedesmal gespannt ob der auch weiterkommt.Wenn ja, freue ich mich- wenn nein gucke ich die Show nicht mehr an.
    Wen ich total daneben finde ist Marco Schreyl- der drückt dieser Sendung erstrecht einen unterirdischen Stempel auf, weil seine Kommentare meissten bodenlos sexistisch und dämlich sind. Überhaupt mausert sich DSDS zu einem traurigen Schauspiel. Da erinnere ich mich wehmütig an die ersten Staffel mit Juliette Schoppmann und Co- da hatte das ganze noch ein anderes Niveau. Zwar kein gutes, aber immerhin es hatte eins. *sfg

Kommentar verfassen