Warum ist Sex keine Zahl? … Teil 5

 
Nachdem wir im Teil 4 der Reihe „Warum ist Sex keine Zahl?“ über die männlichen Anmach-Archetypen, die AA, plauderten, beschäftigen wir uns heute mit dem weiblichen Pendant, den sogenannten „Anmach-Reaktions-Archetypen“, die ARA.
In der letzten Folge unserer Serie analysierten wir das typische Balzverhalten eines normal konditionierten Mannes. Also jener Typus, der in seiner Jugend nicht übertrieben sadistisch von älteren Brüdern, Mitschülern, Lehrern und Eltern drangsaliert wurde und sich halbwegs passabel entwickeln konnte. Sprich, solche Männer, die ohne chronische Sehnenscheiden-Entzündung ihre eigene Sexualität entdecken und diese bis nach der Pubertät soweit brauchbar ausgebaut haben. Den ganzen Rest, der wegen irgendwelcher Fehlsteuerungen im besten Falle Tics, und im schlechtesten einen mächtigen Dachschaden entwickelte, lassen wir hier außen vor.
 
Doch wie reagiert nun Frau auf das Werben des Mannes? Welche biochemischen Reaktionen laufen in ihrem Körper ab, wenn ein Typ vor ihr mit geblähtem Kamm herumläuft? Wie kann sie die innere Paarungsbereitschaft sozial verträglich und in gesellschaftlich akzeptabler Art und Weise im Zaum halten? Wie geht Frau dabei vor, wenn sie der balzenden Testosteron-Keule vor ihr auf subtile Weise mitzuteilen versucht, dass sie nicht vollends abgeneigt sei, ohne gleich als männermordende Nutte dazustehen?
 
Die Antwort auf diese Fragen sind viel komplexer, als man vielleicht zu hoffen wagt. Diejenigen unter uns Männern, die bereits Kontakt mit Frauen hatten, werden wissen, was ich meine. Und die weiblichen Leser meines Blogs sehe ich an dieser Stelle verständnisvoll mit dem Kopf nicken.
Die Frau ist vergleichbar mit einer hochkomplizierten Maschine. Einer, die sagen wir mal, aus unendlich vielen Knöpfen besteht und ständig undefinierbare Geräusche macht, während sie die Größe des gesamten Universums berechnet. Jetzt kann man natürlich nicht Frau mit einer Maschine vergleichen, denn die Dame von heute ist mit nur einer verschwindend geringen Anzahl von Knöpfen ausgestattet (wenn überhaupt) und im Gegenzug muss man als Mann schon extrem verzweifelt sein, wenn man einem Apparat den Hof macht, der die Größe des Universums ausrechnet.
Dennoch ist der Vergleich mit gewissen Einschränkungen zulässig. Beide sind fester Bestandteil unseres hübschen kleinen Planeten und in keinem der beiden Fälle ist man sich mehr sicher, wer sie eigentlich erschaffen hat und was letztlich der ursprüngliche Zweck der Entwicklung war. Eine Maschine zu erfinden, die sich der Errechnung der Größe eines Universums widmet, macht an sich wenig bis keinen Sinn. Mit der bloßen Zahl, wie hoch und breit so ein Universum ist, fängt keine Sau etwas an. Demzufolge muss sich irgendwer Gedanken dazu gemacht haben, was man mit dieser Information Tolles anstellt. Wie es oft so ist, ging gerade dieser Teil der Grundidee im Laufe der Konstruktionsphase verloren und raus kam ein Gerät, dass unheimlich lustige Dinge vollbringt, aber niemand weiß so wirklich, wozu das Ganze dienen soll.
Bei Frauen ist es ähnlich, aber ein wenig anders: Sie haben sich – vergleichbar zum Mann – zu vernunftbegabten Wesen entwickelt. Obwohl anatomisch relativ identisch, hat sich die die Art und Weise WIE beide Entitäten die Welt um sich herum wahrnehmen, völlig unterschiedlich ausgeprägt. Während beispielsweise Frauen bereits bei der kleinsten Kleinigkeit vor dem TV-Gerät zu heulen beginnen, und sei es, weil die arme Lassie kein Wasser im Napf hat, lässt Männer so etwas komplett kalt. Gefühlsdusselig wird Mann wiederum bei Dingen wie einer Sportschaltung, optischen Kabelanschlüssen oder einem kühlen Bier vom Fass.
Letzten Endes kann man sich getrost darauf einigen, dass keine Frau die Größe unseres Universums ausrechnen wird und unsere Maschine niemals wegen Lassie zu heulen beginnt.
Was hat das nun alles mit dem Vorgehen der Männer wenn sie anbaggern und die Reaktion der Frau darauf zu tun?
Eine ganze Menge, denn auf Sie wirkt Er mit hoher Wahrscheinlichkeit wie unsere Maschine mit den undefinierbaren Geräuschen, während gleichzeitig der Mann oftmals das Gefühl nicht los wird, er würde sich mit Lassie unterhalten, die unter Dehydration leidet.
 
Wie verhält sich nun Frau, wenn sie umworben wird?
Hier wird zwischen vier verschiedenen ARAs unterschieden:
Da wären zunächst „die Erhabene“, „das Haus der Hoffnung“, „dein Haus/deine Jacht/dein Sportwagen“ und zu guter Letzt „der Blick des Todes“.
Ähnlich wie beim Mann sind diese Grundtypen in jeder Frau vorhanden und je nach Typus gibt es unterschiedlich starke Ausprägungen.
Sobald ein werbendes Männchen identifiziert wurde, übernimmt reflexartig eines der ARA Besitz von der Frau und zieht sich erst zurück, wenn die ganze Show vorüber ist.
 
Die Erhabene:
Bei diesem Typus Frau übernimmt im Falle eines Anmach-Versuches eine Art „Königsvirus“ die Kontrolle über ihren Körper und ihr Denken. Ganz gleich, ob es sich beim Mann um einen völlig identischen Klon von Johnny Depp handelt oder ob er ein Schmierlappen allerhöchster Güteklasse ist: Sie wird ihr Haupt gen Himmel recken, die Augenlider auf Halbmast senken und ihrem Gegenüber das Gefühl geben, als ob allein seine Anwesenheit einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Die Erhabene ist vom Verhalten her nicht unähnlich dem ARA „der Blick des Todes“, nur fehlt hier der Erhabenen  der Tötungswille in ihrem Gesichtsausdruck.
Sollte der männliche Eindringling in ihre Welt nicht innerhalb weniger Nanosekunden kapiert haben, was Sache ist, wird die Erhabene damit beginnen, gelangweilt an ihrem Glas zu nippen. Sie wird den kleinen Finger wegstrecken, sich endgültig versteifen und mit verachtend nasaler Stimme mit ihrer Freundin über den Typen reden, als ob dieser schon vor Stunden gegangen wäre. Sollte der Mann zu der hartnäckigen – oder begriffsstutzigen, kommt darauf an, wie man es betrachten will – Sorte gehören und ihr einen Drink spendieren, dann wird sie dies mit einem abschätzigen Augenrollen quittieren und ihre Freundin fragen, ob diese denn einen solchen Müll trinken würde. Dabei ist es egal, ob es sich bei diesem „Müll“ um eine Dose Heineken handelt oder um einen Champagner der Marke Dom Pérignon, der von Gott persönlich gekeltert wurde: Das Königsvirus macht keine Unterschiede.
Interessanterweise ist es auch völlig unerheblich, ob es sich bei der Erhabenen um eine Sexgöttin handelt oder um eine übel zusammengewürfelte Laune der Natur, die seit unzähligen Monden auf einen Partner wartet. Dieser Archetypus kann nicht anders reagieren, auch wenn sie es, kurz nachdem der Mann resignierend abgedampft ist, bitter bereut, diesen Traumprinzen nicht sofort auf die Toilette gezerrt zu haben.
 
Das Haus der Hoffnung:
Hier haben wir es mit dem genauen Gegenteil zu tun. Das Haus der Hoffnung entstammt in den meisten Fällen einem gut bürgerlichen Elternhaus, musste gegen unzählige Geschwister um die Gunst der Eltern kämpfen und hat vorzugsweise eine katholische Schulausbildung genossen. Sie ist nett, lächelt nahezu ständig und unterbricht das Dauergrinsen nur, wenn sie mal zu viel getrunken hat und gerade am kotzen ist. Das Haus der Hoffnung hat gelernt, höflich zu sein und ist dem fatalen Weltbild ausgeliefert, dass man nur etwas bekommt, wenn man vorgibt, alles klasse zu finden, was andere Leute machen.
Ihr hoffnungsvoller Verehrer kann ruhig so aussehen wie ein Stück Baumrinde. Es macht auch keinen Unterschied, ob er gekleidet ist wie ein Model oder ein gerade eben entdecktes Erdbebenopfer. Auch kann er einen Geruch verströmen, der jedes Stinktier schlagartig ins Koma versetzt: Das Haus der Hoffnung wird lächeln und höflich sein, auch wenn sie dabei vor Gestank und Ekel fast umkippt.
Bedeutet dies, dass Baumrinde bei ihr Erfolg haben wird? Nein, denn „lächeln“, „höflich und nett sein“ sind bei ihr nicht mehr als Techniken, die ihr Überleben inmitten der Menschen ermöglichen sollen. Sie wird ihrem Traummann genauso nett gegenüber treten wie einem Stück Humus, nur mit dem Unterschied, dass sie mit fruchtbarer Erde nicht in die Kiste steigt.
 
Dein Haus/deine Jacht/dein Sportwagen:
Eines hat dieser Typ Frau bereits in frühester Kindheit gelernt: Auch wenn man faul oder doof oder sogar beides ist, muss das Leben deshalb nicht automatisch ein Tal der Tränen sein. Dein Haus/deine Jacht/dein Sportwagen ist eine Meisterin darin, aus ihrem Körper und ihrem Gesicht das optimale Ergebnis herauszuholen. Hierbei ist es selbstverständlich, dass sie im Solarium schläft und im Fitnessstudio wohnt, wobei sie diese beiden Orte nur dann verlässt, wenn sie in diversen In-Lokalen Unterschlupf sucht. Glücklicherweise hat ihr die Natur so störende Attribute wie Liebe, Zuneigung oder Gefühle vorenthalten und sie dafür mit einem ordentlichen Batzen Durchtriebenheit, Berechnung und Egoismus ausgestattet. Ihr Weltbild ist recht simpel: „Wenn ich schon die Beine breit mache, dann kann ich das auch auf dem Rücksitz eines Ferrari!“
Dass Autos dieser italienischen Nobelmarke in den seltensten Fällen über Rücksitze verfügen, ist ein anderes Kapitel.
Ähnlich der Mimikry-Technik von manchen Tieren – also der Fähigkeit, ein anderes Tier so täuschend echt nachzuahmen, dass beim schnellen Hinsehen kein Unterschied zu erkennen ist – kann dieser Typ Frau durchaus Rollen wie „das schüchterne Mäuschen“, „die kindliche Unschuld“, „verliebte Maid“ oder auch „ich bin das, was du schon immer wolltest“ annehmen. Das Mimikry-Verhalten wird sie aber nur aktivieren, wenn sie ein passendes Opfer entdeckt hat und jetzt kommen wir zum wichtigsten Unterschied zwischen „dein Haus/deine Jacht/dein Sportwagen“ und den anderen ARA: Für den flüchtigen Blick eines Aussenstehenden wird es durchaus so wirken, als ob der pelztragende Gockel von Mann mit Gelfrisur, Schmalzlächeln und Foto-Serie seiner Jacht in der Brieftasche ein aufgetakeltes junges Ding abschleppt. In Wahrheit hatte sie bereits geraume Zeit zuvor wie eine Spinne ihr Netz ausgeworfen und Er ist es, der nun darin zappelt.
Dieser Typ Frau erkennt potentielle Financiers ihres Lebensstils bereits auf einige hundert Meter Entfernung. Jeder andere Mann, der nicht vermögend genug wirkt, hat bei ihr keine Chance. Wozu auch? Geld muss nicht nett sein, es muss auch nicht gut aussehen. Es muss nur ihretwegen ausgegeben werden. Das Dumme daran ist nur, dass „dein Haus/deine Jacht/dein Sportwagen“ regelmäßig auf ihr männliches Gegenstück, dem Alleskönner, reinfällt.
 
Der Blick des Todes:
Dieser Typ Frau sehnt sich danach, endlich einem Mann zu begegnen, dem sie sich hingeben kann, der sein Leben mit ihr teilt und mit dem sie endlich eine rundum perfekte Partnerschaft hat. Um dieses Ziel ihrer Träume zu erreichen, arbeitet sie hart an sich. Gleichzeitig quält sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Freundinnen und den Rest ihrer Umgebung. Hier sind es die immer wiederkehrenden Fragen, was sie denn falsch machen würde und weshalb kein Mann auf sie aufmerksam werde etc. etc. Natürlich versucht das Umfeld ihr zu helfen, weiß aber letztlich auch nicht weiter, da offensichtlich ist an ihr nichts auszusetzen ist.
Offensichtlich, ja.
Es gibt eine winzige Kleinigkeit, die alle übersehen, außer die Heerscharen von Männer, die den Versuch unternehmen, mit ihr in Kontakt zu treten: Man kann „den Blick des Todes“ durchaus mit ihrem männlichen Pendant vergleichen, nämlich „der stille Schweiger“.
Während der stille Schweiger den ganzen lieben langen Abend in seiner Stammkneipe vor seinem Bier sitzt wie eine Wasserleiche, verhält sich „der Blick des Todes“ genauso, nur mit einem wesentlichen Unterschied: Sobald ein Mann Gefallen an ihr findet und sie nur länger als einen Wimpernschlag lang betrachtet, setzt sie einen Blick auf, der sogar bei Dschingis Khan eine Angstneurose ausgelöst hätte. Dieser Typ Frau ist instinktiv so versessen darauf, nicht als Freiwild zu gelten, dass allein ihr Gesichtsausdruck jeden Mann in die Flucht schlägt.
Der Grund dafür liegt in ihrer Kindheit.
An irgendeinem Abend zwischen ihrem dritten und fünfzehnten Lebensjahr fühlte sich ihre Mutter dazu berufen, dem Kind zu erklären, wie man sich als Frau zu verhalten habe.
Dummerweise hatte ihre Mutter keine Ahnung, wie sich eine Frau am besten verhält, denn sie selbst wurde vom erstbesten Mann, den sie nach ihrem Vater sah, geschwängert und geheiratet. In dieser Reihenfolge. Also genau jene Person mit der garantiert geringsten Ahnung in Dingen des vorehelichen Geplänkels erklärt der künftigen „Blick des Todes“ wie das Leben so funktioniert. Es ist klar, dass so etwas in die Hose gehen muss.
Eine von Mamas Kernaussagen lautet ungefähr so: „Kind, du darfst es deinem Verehrer nicht zu leicht machen, denn sonst halten dich alle für ein leichtes Mädchen! Wenn der Mann dich richtig liebt, dann wird er auch wochenlang um dich werben. Halte Distanz, Kind. Halte um Gottes willen Distanz!“
Toll, dass sagt dann genau die Person, die, kaum vor die elterliche Haustüre getreten, schneller geschwängert wurde, als man „Verhütung“ sagen kann.
Das Kind hat den ganzen Mist natürlich geglaubt und wartet seither auf einen Idioten, der  ihr monatelang den Hof macht, bis ihr endlich mal zumindest die Gesichtszüge auftauen. Wenn „der Blick des Todes“ Glück hat, dann trifft sie auf einen pathologischen Stalker, wird seinem Drang sie zu verfolgen völlig falsch verstehen und sich ihm nach einiger Zeit an den Hals werfen.
 
Natürlich gibt es auch hier Mischformen, die mehrere dieser Muster verschieden stark ausgeprägt in sich vereinen. Dank eines genialen Schachzuges der Leute von der Evolution hat die Natur dafür gesorgt, dass Mann schrecklich oberflächlich auf weibliches Verhalten reagiert. Wäre das nicht der Fall, dann wäre der Mensch schon längst ausgestorben.
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