Lucky for President?

 
Neulich hörte ich im Radiosender meines Vertrauens, dass Wissenschaftler feststellten, dass der Hund viel klüger sei, als bisher angenommen. Man habe nun herausgefunden, dass die Intelligenz bei Hunden der eines Kleinkindes ähnlich ist und die Wissenschaft frage sich jetzt, ob unser angeblich bester Freund sogar klüger sei als Primaten.
Der Radiosprecher war scheinbar mindestens ebenso angetan von dieser Nachricht wie ich, denn seine Stimme überschlug sich beinahe vor Begeisterung. Dann kam auch  der Hundeflüsterer Martin Rütter zu Wort und bestätigte alles artig. Er fügte außerdem noch hinzu, dass Hunde erschreckend gute Beobachter sind, gab gutgelaunt einige Tipps preis und dann folgte die übliche dreiviertel Stunde Werbung.
Na, das war mal eine bahnbrechende Neuigkeit! Ich war völlig baff, vergaß fast mich aufs Autofahren zu konzentrieren und sah vor meinem geistigen Auge weltweite spontane Freudenfeiern unzähliger Hundebesitzer, die es ohnehin »eh schon immer wussten«.
Ich stellte mir vor, wie sich wildfremde Menschen in die Arme laufen, haltlos Tränen der Freude weinen, mit Sektgläsern in der einen Hand einander zuprosten, während in der anderen Hand Hasso, Bello & Co. an der Leine gehalten werden.
Der Hund, das intelligente Wesen.

Ich war mir völlig sicher, dass es demnächst eigene Hunde-Universitäten geben wird und klar ist auch, dass irgendein Taro von der Bärenmühle eines Tages Bundeskanzler wird. Warum nicht? Viel schlechter wird er das Land auch nicht führen.
Der Hund ist sogar klüger als der Affe. Das muss man sich erstmal vorstellen!
Der Affe galt bislang nach dem Menschen als das intelligenteste Lebewesen und sein Erbgut soll bis auf ein Prozent mit unserem identisch sein. Jetzt behauptet aber die Wissenschaft, dass der Hund intellektuell gesehen die ollen Affen ganz locker rechts überholt.
Bisher gerieten wir Menschen in ekstatische Verzückung, wenn es Schimpansen in Gefangenschaft gelang, Bauklötze durch die richtige Form zu schieben. Auch wenn beispielsweise der Kolkrabe mit einem Stöckchen im Schnabel in der Erde rumstochert, waren die Forscher ganz außer sich vor Freude.
Ja, manches Mal wünsche ich mir, dass es mehr Typen gäbe, die so leicht zu begeistern sind.
Es drängt sich natürlich die Frage auf, warum unsere geliebten Vierbeiner bis jetzt nirgendwo rumstocherten? Vielleicht war es ihnen einfach zu doof oder wir Menschen haben nicht deutlich genug hingesehen.
Alles egal, denn wenn man es genau betrachtet, haben uns die Hunde schon seit längerer Zeit jede Menge Hinweise gegeben, welche Genies sie in Wahrheit sind.
Wer war bekanntlich das erste Lebewesen im Weltall?
Der Mensch?
Weit gefehlt! Es war auch nicht einer der Affen, die sich immer in den Vordergrund drängen, wenn es um Intelligenztests geht. Es war Laika, eine Hündin!
Gut, sie hat jetzt nicht unbedingt die Rakete selbst gebaut und ganz so freiwillig ist sie ihre Mission scheinbar auch nicht angetreten. Aber schließlich hätte sie ihren Weltraumausflug doch verweigern können. Einfach mal einen auf Spaßbremse machen. Mit einem Stöckchen im Maul »Njiet« in den Sand schreiben oder jemanden mit Bauklötzchen bewerfen. Hat sie nicht gemacht, deswegen schoss man sie ins All. Traurigerweise starb Laika kurz nach dem Start.

Jedenfalls wollte ich es genau wissen. Kurz, nachdem ich endlich zu Hause angekommen war, schnappte ich mir Lucky, unsere kleine Westhighland-Terrier-Hündin und erklärte ihr die ganze Angelegenheit in aller Ruhe.
Lucky hörte mir brav zu, neigte den Kopf mal nach links, mal nach rechts und sah mich dann ein wenig irritiert an, als ich ihr die Zahlen 0 bis 9 auf ein Blatt Papier malte. Schließlich sollen Hunde sogar einfache Rechenaufgaben lösen können und genau das sollte für Lucky ein Klacks sein.
Ich wollte sie nicht überfordern und fing mit Grundrechenarten an.  Bei »4 plus 8« tappte sie zwar nicht auf die eins und die zwei, begann jedoch, mich abzuschlecken. Nachdem ich sie ermahnte, etwas konzentrierter zu sein, lieferte mir Lucky sofort das richtige Ergebnis: Sie wedelte exakt 12 Mal und ein kurzes Bellen zeigte mir an, dass sie mit der Antwort fertig war.
Unglaublich, Lucky nannte mir nicht nur das genaue Resultat sie wählte sogar einen weit umständlicheren Weg als ein simples »mit der Pfote auf die Zahl«-Tappen!
Da ich sie nicht unnötig langweilen wollte, setzte ich meinen Test mit Wurzelziehen fort. Meine Idee bestand im Wesentlichen darin, sie langsam an die Integralrechnung heranzuführen, um unsere Hündin dann – ohne viel Hetze – an etwas komplexere Aufgaben ranzulassen. Zum Schluss sollte sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen, die Weltformel entdecken und den Nobelpreis gewinnen.
Nach mehrmaligen Versuchen mit der Berechnung von Potenzen in verschiedene Richtungen wurde ich ein klein wenig stutzig. Luckys Ergebnisse schwankten immer zwischen elf und zwölf wedelnden Antworten. Zwei Mal raste sie sogar an ihren Napf und schlug mit der Pfote dagegen. Als ich es mit simplen Winkelberechnungen versuchte, schnappte sie nach einer Fachzeitschrift für Unterwassersport, die in der Nähe rumlag.
Zugegebenermaßen war ich etwas ratlos.
Ich vermutete, dass Hunde wahrscheinlich über sehr komplexe kommunikative Fähigkeiten verfügen. Plötzlich schoss mir durch den Kopf, dass wir Menschen womöglich noch nicht in der Lage waren, die vielschichtige Sprache dieser Tiere zu deuten! Eine Ausdrucksweise, die scheinbar aus Klopf-, Bell- und Schnapplauten in Verbindung mit hochkomplexen Wedelbewegungen bestand. Der Hund ist vielleicht das sprachlich hochbegabteste Lebewesen im gesamten Universum und wir sind doof genug, es nicht zu bemerken!
Irgendwann wurde es Lucky zu viel und sie legte sich schlafen.
An diesem Abend recherchierte ich im Internet und fand heraus, dass es verschiedene Definitionen von Intelligenz gibt. Bei Hunden spricht man von der Fähigkeit, das individuelle Verhalten aufgrund von Erfahrungen anzupassen. Die Intelligenz von Hunden setze sich aus drei Teilen zusammen: – Instinkt, – adaptive Intelligenz (Wauwau lernt von der Umwelt) – und Gehorsam (eine Art schulisches Lernen). Unsere Vierbeiner sollen in der Lage sein, neben den Rechenaufgaben, auch bis zu 250 Wörter unterscheiden zu können (wobei der Durchschnitt bei 150 Wörtern liegt), über ein arithmetisches Grundverständnis verfügen und auch Planungsfähigkeit besitzen.
Die Leute vom Internet versicherten mir, dass mit »Planungsfähigkeit« nicht gemeint ist, dass Lucky demnächst den Wormser Dom nachbaut, sondern etwas anderes darunter verstanden wird. Hunde nehmen sehr wohl die kürzesten Wege, um an eine Belohnung zu gelangen und diese Verhaltensweisen lassen eindeutig auf Planungsfähigkeit schließen.
Um den Wormser Dom zu bauen, braucht es zusätzlich gestalterische Fähigkeiten, und dazu konnte ich nichts finden. Auch die Sache mit dem kürzesten Weg zur Belohnung betrachte ich etwas kritisch, denn Lucky findet nicht immer den schnellsten Weg zum angebotenen Leckerli, wobei es ab und an sogar vorkommt, dass sie ihre Belohnung nur dann entdeckt, wenn sie über diese stolpert. Gut, angeblich soll die Nase des Hundes nicht ständig im Einsatz sein. Habe ich vor längerer Zeit mal gelesen. Bei Lucky dürfte sich die Nase scheinbar in einer Art Dauerstreik befinden.
Auch scheinen Bello, Fiffi und Kollegen über eine einfache Art Ich-Bewusstsein zu verfügen. Sie können andere Individuen täuschen, was voraussetzt, dass sie den Unterschied zwischen sich und der Umwelt wahrnehmen. Sollte das wirklich der Fall sein, dann ist eine der ältesten Fragen der Hundebesitzer wohl gelöst: Ja, dein Hund verarscht dich, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt!
Bislang haben sich die Hundehalter dieser Welt immer damit getröstet, dass Wuffi einfach nicht wisse, dass man nicht in die Ecke kacken darf und der Tante Gerti nicht ständig das Schienbein begatten soll. Klar weiß Wuffi das, nur hat er keinen Bock darauf, sich daran zu halten!

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wissenschaft davon ausgeht, dass sich Hunde auf dem Niveau eines zweieinhalbjährigen Kindes befinden.
Ein faszinierendes Ergebnis, denn mir war bisher nicht bewusst, dass Kleinkinder Integral-Rechnungen durchführen können.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Lucky veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen