Das E 10-Theater: 2. Akt …

 
… der Einzug der Gladiatoren.
 
Jetzt kam er doch relativ schnell zustande, der „Benzingipfel“. Ab heute wird also herumgestritten, wer woran schuld war und ist und was man jetzt wohl am besten unternehmen sollte, um den Verbrauchern das E 10 doch noch schmackhaft zu machen.
Man kann es natürlich auch anders betrachten:
Nachdem die Regierung festgestellt hat, dass der gewöhnliche Bürger doch nicht so ein gehirnamputierter Lemming ist, der brav das befolgt, was ihm vorgekaut wurde, sondern die Frechheit besitzt, sich Gedanken über dies und das zu machen, müssen jetzt neue Wege gefunden werden, um das gewinnträchtige Produkt E 10 in des Autofahrers Schlund zu stopfen.
 
Wie wir ja bereits wissen, ist dem Herrn Brüderle der Kragen geplatzt, dem Herrn Röttgen platzt scheinbar nie etwas und den Mineralöl-Konzernen ist der Geduldsfaden nicht geplatzt sondern gerissen, weil die sich jetzt neue Geldzählmaschinen angeschafft haben, aber der erhoffte Gewinnregen jetzt ausbleibt.
Eben weil die Idioten von Autofahrern weder E 10 noch das weit überteuerte Super plus tanken, sondern einfach zu jenen Tankstellen fahren, wo „normales“ Super noch erhältlich ist.
Könnte man ein Gesetz gegen freie Kaufentscheidungen einführen, dann hätten wir es spätestens jetzt an der Backe.
 
Doch warum gibt es E 10 überhaupt?
Diesen Aspekt muss man sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen:
Ursache der ganzen derzeitigen Diskussion ist eine EU-Verordnung zur Reduktion des CO2-Ausstosses. Hier geht es um das Ziel, den durchschnittlichen Flottenausstoß von Kohlendioxid auf 120 Gramm pro Kilometer zu beschränken.
Nach heutiger Sicht sinnvolle Möglichkeiten um dies zu erreichen, sind:
Forcierung von Elektroautos (obwohl hier wirklich sinnvolle Serienmodelle für weite Distanzen noch nicht sichtbar sind und die Autoindustrie sich weiterhin im Dämmerschlaf befindet),  alternative Energieformen wie z.B. Solarenergie (die von der Regierung vor kurzem unattraktiv gemacht wurde, dank weggefallener Förderungen) und eben der Treibstoff selbst. Um diesen schadstoffärmer zu kriegen, muss ein 10%iger Anteil von Ethanol beigemengt werden.
Dazu muss man wissen, dass man in Brüssel nicht erst seit gestern über diese Themen redet und den Politikern diese Verordnung praktisch über Nacht passiert ist und man wie die Kuh nun vorm neuen Dorf steht, sondern diese Diskussion läuft ja schon über Jahre.
Nun hat man sich für E 10 entschieden und irgendwie drängt sich einem der Gedanke auf, dass die Basis dieser Entscheidung mal wieder der Faktor „Kohle machen“ ist, oder in seiner Kurzform auch „Abzocke“ genannt.
 
Alternative Energieformen sind ja ziemlich unsexy aus der Sicht der Regierung.
Um so eine Energieform auch wirklich auf breiter Basis durchzusetzen, muss man so ein Ding der Bevölkerung schmackhaft machen. Und weil der dumme Steuerzahler ja nicht einfach auf warme Worte hin reagiert, können hier nur finanzielle Anreize die Sache vorantreiben.
Jetzt will die Regierung aber viel lieber Geld kassieren, als das sie Geld austeilt.
Bei den Elektroautos ist es halt auch so eine Sache, denn da haben weder die Regierung was davon, noch die starke Lobby der Ölkonzerne. Bei den mindestens ebenso starken (und in Regierungskreisen nicht minder gut vernetzten) Automobilkonzernen gestaltet sich das Thema „E-Autos“ auch ziemlich unerotisch, weil man ja nicht nur am Autoverkauf verdienen möchte, sondern auch an Werkstattkosten etc. und da ist bei dieser Art von Automobilen noch nicht raus, wie man dem Verbraucher die Kohle aus der Tasche ziehen könnte.
Gut, übrig bleibt der Treibstoff.
Und hier hat E 10 einen ganz besonderen Charme:
Erstens stellt diese Lösung die Regierung, die Ölkonzerne, und wenn dadurch Autos in tausend Einzelzeile zerfallen, auch die Automobilfirmen mehr als zufrieden.
Und zweitens muss man sich mit dieser Lösung nicht an die 120 Gramm pro Kilometer halten, sondern hat eine Grenze von 130 Gramm. Klingt komisch, ist aber so.
 
So, jetzt hat man sich endlich alles wunderbar ausgekaspert, ausformuliert und aus dem Ärmel geschüttelt, und jetzt kommt der dumme Verbraucher daher und wagt es nicht nur, die ganze Sache nicht zu kapieren, nein, er hinterfragt das ganze Gelaber um E 10 auch noch und dann boykottiert diese fehlgeleitete Melkkuh das Ganze einfach und weigert sich schlicht einfach, diesen Rotz in seine Schrotthaufen zu tanken!
Soweit mal der Hintergrund dieser ganzen Misere hier.
 
Jetzt sitzt man halt in Berlin zusammen, fusselt mit der Ölindustrie unterm Verhandlungstisch und zerbricht sich jetzt mal die Köpfe, wie man die (Melk-)Kuh vom Eis bekommt.
In einem Punkt ist man sich klar:
Die Lösung heißt E 10!
Klar, denn erstens hat das Produkt den höchsten Sex-Appeal (aus Sicht der Regierung und der Konzerne) und zweitens hat man es jetzt und Punkt und aus!
Noch dazu kommt, dass bei einem Aus für E 10 erst recht wieder der Verbraucher auf der Strecke bliebe, weil die Rückkehr zum „E 5“, also dem Kraftstoff den es vorher gab, eine Art „Strafsteuer“ von ca. 2 Cent pro Liter betragen würde.
Die Regierung würde hier gegen EU-Auflagen verstoßen und die Kosten wird man natürlich auf uns abwälzen, ist ja klar.
Alternativen gibt’s keine, bzw. hat man sich möglichen Alternativen bis dato verschlossen, bzw. diese gekappt (Stichwort: Solarenergie) und jetzt sitzen wir halt nicht in der Tinte, sondern im E 10.
Es ist ja nicht so, dass die einzigen Möglichkeiten hierbei ein Alkoholiker-Treibstoff ist. Und nein, es muss auch kein Antimaterie-Antrieb erfunden werden und den Warp-Antrieb gleich mit, es gäbe viel einfachere Dinge, aber die haben die Regierungen in Deutschland seit Jahrzehnten systematisch verschlafen (im besten Falle) oder auch ganz bewusst klein gehalten, um die Öl- und Automobil-Lobby zu stärken (im schlechteren Fall).
Stichwort wäre hier das Thema „Erdgas“ oder auch einfach die Forcierung von Hybrid-Autos.
Es gibt andere Länder, die hier mit viel mehr Engagement alternative Möglichkeiten voranzutreiben versuchen, wie beispielsweise Frankreich, wo es für die Neuanmeldung eines E-Autos eine staatliche (und stattliche) Prämie von 5.000 Euro gibt.
Aber nein, Schlacke mit toten Dinosauriern muss in den Tank, denn nur dann rollt der Rubel und nur dann wird der Steuerzahler am sichersten das Geld aus der Tasche gezogen.
 
Gut, jetzt tagt also der Benzingipfel. Der Herr Brüderle sitzt mit geplatztem Kragen da, die Vertreter der Auto- und Öl-Lobbys mit verstaubten Geldzählmaschinen und man diskutiert, was man jetzt tun könne.
Warten wir´s ab, es bleibt aber mit Sicherheit tragik-komisch.
 
Nachtrag:
Man kam zu einem schnellen Ergebnis und es überrascht keinen: E 10 bleibt und der Verbraucher muss mehr (ver-)informiert werden.
Tja… 😉
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2 Antworten auf Das E 10-Theater: 2. Akt …

  1. optimist sagt:

    Richtig erkannt !!! War ohnehin klar, dass sich nichts ändern würde, seitens der Regierung !!!
    Frage mich allerdings, wie man dem Verbraucher die nachhaltigen Risiken einer E10 Betankung erklären will, denn die weiß man(n) heute noch nicht.
    Wie auch immer – mit uns Bürgern kann man es machen.
    In Frankreich hätte es schon längst einen Aufstand bei der Bevölkerung gegeben und man hätte Autos (mit E10?) abgefackelt…

  2. Bruce sagt:

    Ich hoffe nur das die Deutschen mal da bei bleiben und die Sache nicht einschläft
    (worauf die Regierung heimlich hofft)
    Kein Tropfen E10 darf verkauft werden.
    Ich tank`s jedenfalls nicht.

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